Architekturwandern im Toggenburg
Auch dieses Jahr hiess es bei Nightnurse: Computer aus und Wanderschuhe an. Gemeinsam mit Ivo Bösch, Redaktionsmitglied bei Hochparterre und Wanderführer für Architekturwanderungen, machten wir uns auf den Weg durchs Toggenburg. Nach drei Wandertagen im Naturpark Beverin im vergangenen Jahr hätten wir eigentlich wissen müssen, worauf wir uns einlassen. Trotzdem standen wir am Freitagmorgen sehr früh und erstaunlich motiviert am Zürich HB – bereit für zwei Tage Toggenburg, Architektur und ziemlich viele Höhenmeter.
Tag 1: Von Starkenbach zur Voralp
Nach diversen Umstiegen erreichten wir Starkenbach und stiegen für die ersten Höhenmeter in die Selunbahn – besser bekannt als «Kistenbahn». Oben gab es keine Abkürzung mehr: Aus den geplanten 18 Kilometern wurden unterwegs spontan 20 – dazu kamen 600 Höhenmeter hinauf und 900 hinunter, Rucksack inklusive.
Dazwischen lagen viel Landschaft, frische Luft und selbstverständlich Architektur. Mit dem Resonanzzentrum Peter Roth von Graber Pulver sowie dem Klanghaus nach dem Entwurf von Marcel Meili, realisiert von Staufer & Hasler, hatte Ivo dafür gesorgt, dass wir selbst mitten in den Bergen nicht vollständig vom Beruf loskamen.
Für Nightnurse war das Klanghaus kein unbekanntes Projekt: Bereits 2014 erstellten wir dafür die Visualisierungen. Zwölf Jahre später selbst vor dem realisierten Bau zu stehen, war deshalb ein besonderer Moment.
Nach rund fünf Stunden Wanderzeit erreichten wir die Voralp. Spätestens dort waren sich vermutlich alle einig: Ein Stuhl ist ebenfalls ziemlich gute Architektur.
Tag 2: Von der Voralp zum Chäserrugg
Wer dachte, am zweiten Tag würde es gemütlicher, hatte den Programmpunkt «+1000 m, −0 m» offenbar überlesen. Sieben Kilometer führten uns über die Karstlandschaft fast ausnahmslos bergauf Richtung Chäserrugg.
Oben warteten Aussicht, Essen und das Gipfelgebäude mit Restaurant von Herzog & de Meuron. Damit war klar, dass sich die Höhenmeter gelohnt hatten. Und weil ein Bau des Basler Büros offenbar nicht genügt, gehörte auf dem Rückweg auch die Talstation Unterwasser zu unseren architektonischen Stationen.
Für die Rückfahrt wählten wir eine ausgesprochen vernünftige Kombination aus Seilbahn, Standseilbahn, Postauto und Zug. Unsere Beine hatten zu diesem Zeitpunkt genug Eigenleistung erbracht.
27 Kilometer später
Nach zwei Tagen, 27 Kilometern und 1600 Höhenmetern bergauf waren wir zurück in Zürich: etwas müder, vermutlich etwas steifer, aber um einige gute Geschichten reicher.
Und ja: Gemeinsames Wandern schweisst zusammen. Vor allem dann, wenn irgendwann niemand mehr fragt: «Wie wit isch es no?» oder «Simmer bald dete?»
Ein grosses Dankeschön an Ivo Bösch für die Planung, Führung und dafür, uns auch dieses Jahr sicher und ohne grössere Verluste durch beide Etappen zu bringen. Bis zum nächsten Mal! Unsere Wanderschuhe dürfen sich jetzt erst einmal erholen – einige müssen ersetzt werden.